Kondolenzbuch

Mittwoch, 14-07-10 08:37

Stefan Pinter:

Ich habe Jörg als Neuankömmling im DIE kennengelernt und war von seinem Elan beeindruckt. Gerade wollte [...]

Samstag, 08-08-09 15:12

Constanze Schaaff:

I was really shocked about His sudden death. This is a big loss for the development community. Even [...]

Mittwoch, 05-08-09 18:47

Ana Alicia Villar Marquez:

Lo siento mucho..no llegue a conocerlo pero solo leer lo que las personas que lo conocieron sienten con [...]

Montag, 27-07-09 13:07

Gerry McCarthy:

Farewell to the LED peer. Amazing practical contributions and ideas that inspire us in our work. Thanks [...]

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In der Nacht vom 1. auf den 2. Mai starb unser Kollege, Partner und Freund Dr. Jörg Meyer-Stamer. Ein kurzer intensiver Kampf mit dem Krebs riss ihn aus dem Leben. Es ist noch immer schwer, seinen Tod zu akzeptieren und zu begreifen. Es ist noch nicht vorstellbar, dass wir nie wieder die Möglichkeit haben werden, mit ihm zu arbeiten, zu lachen, zu diskutieren, von ihm herausgefordert zu werden.

Inmitten dieser Momente der Trauer tauchen sehr viele schöne Bilder und Erinnerungen auf. Ein grosses Gefühl der Dankbarkeit bleibt zurück. Dankbarkeit dafür, dass wir mit ihm in den letzten Jahren zusammenarbeiten durften. Wir wurden beschenkt von ihm, seinen frischen Ideen, seiner unermüdlichen Suche nach neuen Formaten und Wegen, mit denen wir als Firma besser in Kontakt und in Lernprozesse mit Menschen vor Ort treten konnten. Wie die Eintragungen im Kondolenzbuch zeigen: Jörg war ein ansteckender Antreiber und Motivator. Seine Persönlichkeit hat nicht nur uns inspiriert, sondern auch viele andere Kollegen weltweit. Die auftauchenden schönen Bilder und Erinnerungen ermöglichen es uns, den Verlust von Jörg in einem größeren Kontext zu sehen.

Jörg blieb sich treu. Er war ein Original, ein Querdenker, der nicht mit direkten Kommentaren zurückhielt, der aussprach und schrieb was er dachte, und der Methoden entwickelte, hinter denen er als Mensch und Experte stand. Er steckte an mit seinem Antrieb, seiner Arbeitsphilosophie und seiner Effizienz, die in alle unsere Methoden einflossen. Jörgs Ehrgeiz war es, den Ansatz der systemischen Wettbewerbsfähigkeit auf der lokalen Ebene zu initiieren, mit Menschen in Entwicklungs- und Schwellenländern partizipative Ansätze umzusetzen, aktiv gemeinsame Lernprozesse zu initiieren, und in diesem Prozess sich selbst und andere ständig neu herauszufordern, aus der Komfortzone herauszuziehen. Dies war ein wesentlicher Teil von Jörgs Persönlichkeit, die sich durch seine ganze Karriere zog.

Bevor Jörg mesopartner gründete, arbeitete er von 1988 bis 1998 im Deutschen Institut für Entwicklungspolitik (DIE). Das DIE ist bis heute die führende Ideenschmiede der deutschen Entwicklungszusammenarbeit. DIE-Geschäftsführer Prof. Dirk Messner schreibt in seinem Nachruf über die Kreativität, die Jörg damals in das Institut einbrachte (siehe www.die-gdi.de).

Im Anschluss an das DIE zog es Jörg nach Duisburg. Das Ruhrgebiet reizte ihn, weil es in einem tiefen Strukturwandel steckte, und Jörg zugleich kreative Menschen und Experten in der Region kannte, die diesen Wandel innovativ und umsetzungsorientiert unterstützen wollten. Im Institut für Entwicklung und Frieden (INEF) in Duisburg leitete Jörg von 1998 bis 2002 ein Deutsch-Koreanisch-Chilenisches Forschungsprojekt. Ziel war es, die regionalpolitischen Ansätze in NRW aus einer internationalen sowie lokalen Perspektive zu bewerten und daraus neue Entwicklungsstrategien zu entwickeln. Die Begeisterung für seine Arbeit und das Ruhrgebiet durfte jeder erfahren, der die Chance hatte, mit Jörg auf dem Rad die Industriekulturroute entlang zu fahren.

Als Jörg im Jahr 2003 mesopartner gründete, hatte er bereits die Grundlage für den weiteren Firmenerfolg gelegt, insbesondere durch die Entwicklung der PACA- und Hexagon-Ansätze. Er sagte einmal, dass er nie daran interessiert war, ein Unternehmen mit Angestellten zu leiten. Vielmehr wollte er sein Wissen teilen, es im Austausch und im Netzwerk mit anderen gleichgesinnten internationalen und lokalen Experten anreichern und erweitern. Dies ist eine Charaktereigenschaft von Jörg, die er nicht nur mit uns Partnern und anderen Kollegen suchte, sondern auch mit mehr als 10.000 Menschen, die bisher seine Podcasts zur lokalen Wirtschaftsförderung anhörten.

Jörg hat sich und seine Kollegen immer aufs Neue herausgefordert. Er hatte die Fähigkeit, unterschiedliche Perspektiven einzunehmen, sich offen einzulassen auf ganz unterschiedliche Realitäten. Es war für ihn nicht entscheidend, dass man seine Sichtweisen teilte, aber er forderte Kommentare, intellektuelle Diskurse, und immer neue Impulse. Er stimulierte uns und andere, über den Ist-Zustand zu reflektieren und nichts als gegeben zu akzeptieren. In Diskussionen hat Jörg nie einen starren Standpunkt vertreten, lehnte sich nicht zurück, hielt sich nicht auf mit falschen Eitelkeiten oder Bollwerkargumenten. Er war stets offen dafür, seine Meinung zu revidieren, wenn es dafür gute und rationale Argumente gab. Manchen Personen fiel es schwer, mit seiner herausfordernden und teils provokanten Art umzugehen. Seine direkte Art wurzelte letztlich in Jörgs kreativem Charakter und seiner intrinsischen Motivation, Dinge besser verstehen und unermüdlich dem Stillstand trotzen zu wollen. Und er bewegte viel durch seine innovativen Ideen, seine Zerpflückung alter Sichtweisen und Neuverknüpfung mit aktuellen Erfahrungen, die schliesslich in neue Ansätze, Formate und Methoden einflossen.

Jörg wird uns nicht nur als brillanter Geist und Mitbegründer von mesopartner in Erinnerung bleiben. Er war uns vor allem eine Quelle der Inspiration und immer bemüht, wirtschaftliche Entwicklung leicht verständlich und breit anwendbar zu vermitteln. Jörg lässt ein großes Vermächtnis zurück, auf das wir als Firma mesopartner aufbauen werden. Auch wenn wir Jörg nie ersetzen können, werden wir dieses Erbe pflegen und auch in Zukunft maßgeblich zur Weiterentwicklung partizipativer und nachhaltiger Ansätze der Wirtschaftsförderung in aller Welt beitragen. Mit Dankbarkeit in unseren Herzen werden wir seinen Geist lebendig halten.

 

Lieber Jörg, danke für die Möglichkeit, mit dir gearbeitet und gelernt haben zu dürfen. Es war eine grosse Bereicherung für uns und es war eine fantastische Zeit!

 

Unser Mitgefühl geht an Jörgs langjährige Lebensgefährtin Ute Lutz, die ihm während der letzten Monate große emotionale und praktische Unterstützung bot. Besonderes Beileid gilt auch seiner Mutter Inge Meyer, seiner Tochter Lina und seiner Schwester Birte.

Das mesopartner Team